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Tagebuch Pilgerwanderung auf der Südroute des Pfälzer Jakobsweges

Tagebuch Pilgerwanderung auf der Südroute des Pfälzer Jakobsweges

 

Donnerstag, 01.10.2009

Vier Frauen begaben sich auf den Weg von Landau bis zum Kloster in Hornbach.

Voll Vorfreude und guten Mutes ging es zum neuen Bahnhof in Kusel. Nur war alles anderes, und nicht mehr wie im letzten Jahr - schön und NEU.

Nun, so war das nicht geplant. Die Fahrkarten konnten jetzt nicht mehr im Zug gelöst werden, das sorgte für einen erhöhten Blutdruck und Puls. Kein Schaffner, hmm. Also dann die kurze Wartezeit in Landstuhl nutzen, raus, rennen, ran an den Automaten. Oh Schreck, eine Schülergruppe - Ausflugstag. Die Türen wurden gesperrt, schnell auf die Tasten gehämmert, zahlen, drucken ab in den Zug, ob das alles richtig war?

Kurz vor Landau kam der Schaffner, mit ganz großem Herz und wünschte uns alles Gute auf dem Weg.

Für die ganze Aufregung verpflichte ich mich freiwillig, den nächsten Kaffee in geeigneter Umgebung auf meine Rechnung zu nehmen.

Los ging es durch die wunderbare Stadt Landau, Luxus, Kleider, alles was wir jetzt nicht brauchen können. Bald lag die Stadt hinter uns, der Weg führte uns über sanfte Hügel der Weinberge zur kleinen Kalmit, durch ein Meer von Weinreben bis zum 4 Sterne Hotel, ah Zeit für einen Kaffee. Ein wirklich majestätisches Plätzchen, genau die richtige Belohnung für die Hälfte der heutigen Etappe.

Bisher hatten wir uns von den Früchten am Wegesrand ernährt – paradiesisch!

Gestärkt wanderten wir weiter an Klingelmünster vorbei und auf die Burg Landeck. Die Blicke schweifen weit in die schöne und sehr sonnige Pfalz. Ein Pfad führte uns durch ein Tal hinab und der nächste Anstieg folgte sogleich. Puuhh, 1000 und eine Stufe ging es hinauf, ausgetreten und aus alter Zeit.

Wie viele Menschen wohl schon hier vor und gegangen sind in all diesen Jahren?

Die Sonne war so warm am frühen Nachmittag, sodass wir beschlossen in Gleishornbach - Gleiszellen in der berühmten Winzergasse zu rasten und zu genießen. Anstatt Kaffee und Kuchen bestellten wir Traubensaftschorle für jeden und einen Flammkuchen zu viert. Nur noch 4 km trennten uns von unserem ersten Nachtlager.

Müde, erledigt und rundherum zufrieden bezogen wir etwas später unsere Pensionen, die lediglich durch einen Stich voneinander entfernt lagen.

(Ein Stich ist ein kleiner kerniger Anstieg, der nach einem anstrengenden Tag wirklich in den Oberschenkeln sticht und brennt.)

Diesen freudvollen Schmerz erfuhren wir an diesen Abend noch mehrere Male, denn zum Abendessen gingen wir ins Dorf aufs Weinfest - üppig, gut und gesellig, einfach ein klasse Abend, bis auf den Stich L.

Erkenntnis: Das Paradies ist nicht weit es liegt in der Vorderpfalz (d. h. Wein für den Geist, Blasenpflaster für die Füße, Geselligkeit für die Seele).

 


Freitag, 02.10.2009

Wir starteten um 9.00 Uhr nach einem grandiosen Frühstück. Langsam ging es nach Bad Bergzabern, eine Stadt mit all seinen Verlockungen und Gefahren.

Auf manches kann Frau nicht verzichten, okay dann mal schnell rein in den Laden, wird ja nicht lange dauern. In der Sonne verging die Zeit schnell, nach 15 Minuten, hmm eigentlich müsste sie doch längst wieder hier sein? Eine von uns drei ging mal gucken – WEG, d. h. nicht mehr da?!

Hektik, Gedanken drängen sich auf, von dem einen der mal Zigaretten holen wollte....

 

Wir teilten uns und suchten, ebenso die freundlichen Einwohner von Bad Bergzabern, die unsere Verwirrung wohl gespürt haben müssen. Denn jede mit einem roten Rucksack wurde plötzlich angesprochen und aufgehalten, aber die zu Suchende war es nicht, nur wir die Suchenden!

Da jeder schriftlich die Tagesetappe im Gepäck hatte, begab sich ein Teil nun auf den heutigen Weg. Doch auch da war unsere „Sie“ nicht zu finden. Nach 45 Minuten des Suchens der erlösende Anruf. Sie ist uns schon weiter vorausgegangen als vermutet! Warum? Das Geschäft hatte zwei Ausgänge.

Erkenntnis oder Frage: Wer hat hier wen verloren oder ist uns nur jemand vorausgeeilt?

 

Wieder glücklich vereint liefen wir durch Dörfer, herbstliche Wälder bis zum Frauenwoog und dem dort in der Nähe befindlichen Seecafé. Mittagspause und die Möglichkeit der Fußpflege auf verschiedenste Art. Ich bevorzugte ein Kneippbad im See. Die selbst gemachten Kuchen und Eissorten des kl. Cafés ließen all die Pein vergessen. Sowie die außerordentliche Begegnung mit den Jakobsbrüdern.

Jakobsbrüder lassen sich Zeit auf ihrem Weg, denn die Jagd nach Übernachtungsmöglichkeiten, nach einem warmen Bett um sein erschöpftes Haupt zu betten benötigt um diese Jahreszeit alle Kraftreserven, Geduld und Einfallsreichtum.

Jakobsbrüder verlaufen sich nicht, der Weg ist nur schlecht beschildert!

Der Jakobsweg heißt Richtung Santiago de Compostella, aber Wege gibt es vieleJ.

Die Jakobssisters (Frauen auf dem Jakobsweg) wissen inzwischen Bescheid.

Die letzten 10 km verliefen für eine von uns fast beschwerdefrei, denn ihr Rucksack wurde durch einen wunderbaren Zufall in unseren Zielort transportiert.

Unseren abendlichen Umtrunk und das Nachtmahl gab es diesmal in der Dorfkneipe Salztrippler in Rumbach. Dessen Besitzer gerade von einer Wanderung nach München in zehn Tagen zurückgekehrt war, zehn Tage lang 36-44 km pro Tag zu Fuß – sein Laufstil sah man seine erlebten Strapazen an, diesen übernahmen wir unfreiwillig auf den letzten Metern bis zur Pension. Beine und Füße wirkten irgendwie fremd und unkoordiniert. An diesem Abend verspürten wir schon um 20 Uhr ein großes Schlafbedürfnis.


3. Tag, Samstag, den 03. 10.

 

Die Möglichkeit aus 50 verschiedenen Marmeladensorten zu wählen, verlängert die Frühstücksdauer ernorm. Das wiederum animierte die zu früher Stunde neu eingetroffen unternehmungslustigen Frauen und Männer zu einer Tasse Kaffee, bevor wir gemeinsam zur Etappe nach Eppenbrunn aufbrachen.

Der dritte Tag, eigentlich körperlich der härteste Tag, da Rücken und Füße bereits stark gefordert waren und häufig eine mentale Müdigkeit eintritt stand uns heute bevor.

Doch erfreulicherweise ergab sich die Möglichkeit nur mit leichtem Tagesgepäck zu wandern und „der neue Wind“ beschleunigte unsere Schritte. Lebhafter Austausch über das bisher erlebte und die Neuigkeiten aus dem heimatlichen Kusel klangen durch den Wald und das Rumbachtal.

Sehr schnell waren wir in Fischbach und folgten der Route weiter nach Ludwigswinkel. Am Badesee Saarbacherhammer trafen wir auf eine außerordentliche große Anzahl von Anglern, die auch erstaunlich redselig waren. Lag das an den Rucksäcken?

Die Mittagspause verbrachten wir zur Hälfte am Barfußpfad und dann noch auf einen warmen Cappuccino in einer kleinen netten Kneipe.

Vorbei am Schöntalweiher und über den Murmelsee nähern wir uns den Eselssteig. Unterbrochen wurde der Weg durch klitzekleine Umwege auf der Suche nach kleinen Zeichen und durch schmerzende Füße. Füße, die unter zu eng gewordenen Schuhen litten und von Blasen gepflastert waren. Nach der erneuten Abdeckung der Blasen mit Blasenpflaster, sowie einem späteren Schuhtausch und ein hohes Maß an Tapferkeit und Willensstärke ging es vom Gipfel des Eselsteigs weiter ins Tal und über den Freizeitpark nach Eppenbrunn.

Erkenntnis: Mit der Anzahl der Leute erhöht sich die Chance, das Richtige doch noch zu erhalten. Gemeinsam sind wir stark.

 

Ein langer Weg bis zum kühlen Radler. Am Abend beim Menü waren alle Schmerzen vergessen und wir feierten uns bis zur Verabschiedung einzelner Wanderer.

Auf unserem Zimmer gab es heute noch ein Betthupferl, Sekt und Tortillas, denn Evi hatte Geburtstag – Glückwunsch! Gut, dass wir gestern früher zu Bett gegangen waren.


Sonntag, 04.10.2009       Das Ziel vor Augen und doch soweit weg.

Ein großartiges Frühstück! Dass wir schon wieder was Essen konnten…!

Endlich draußen, alles verpackt und den Rucksack ein letztes Mal auf die Schultern gehievt. Puh, es ist merklich kühler geworden und der Wind bläst uns kräftig entgegen.

Heute sind wir wieder eine kleine Gruppe aus fünf Frauen und wollen unser Ziel das Kloster Hornbach um 16 Uhr erreichen.

Nach Weinbergen, Wald und Bächen werden wir heute ab den Stausteiner Hof vor allem auf der Hochebene des Pirmasenser Landes wandern. Der Blick konnte weit über das Land schweifen. Dennoch würde unser Erleben auf der letzten Hälfte des Weges getrübt durch den starken und kühlen Gegenwind und das Wandern entlang der Straße.

 

Seit der kurzen Mittagspause im Stehen heißt das Motto einfach durchhalten. Jeder Schritt bringt uns dem Ziel näher. Das Gehen auf dem Asphalt machte die Füße schwer und die Beine müde. Nach sechs Kilometer brauchte die Seele etwas Warmes.

Die Wärme der Kürbiscremesuppe ließ die Vorstellung an weitere sieben Kilometer bis Hornbach angenehmer erscheinen.

Die letzte Etappe ist landschaftlich schön, aber die Wegführung einfallslos und sehr ermüdend L.

Doch was soll’s? Dann sah man schon von Weitem die Kirchturmspitzen von Hornbach, mit immer leichter werdenden Schritten näherten wir uns dem Torbogen des Klosters – jetzt strahlen alle Gesichter. WIR HABEN ES GESCHAFFT.

Vier Tage lang, täglich 25 km mit Gepäck, bei Sonnenschein oder Gegenwind, mit Blasen oder verhärteten Waden und auch manchem Durchhänger. Alles wurde überwunden.

Wir sind am Ziel und genossen noch einmal gemeinsam Kaffee und Kuchen im geschützten Klosterhof J.


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